Herbsttörn 2016

Es ist Anfang August und damit eigentlich Hochsommer, aber das weiß das Wetter wohl nicht. Wir verbringen das Wochenende noch auf Fehmarn und ich kaufe Proviant für meine 2 Wochen auf der Atacama ein. Das Wetter ist nicht einladend. Erst Sonntag abend wird es etwas schöner und es gibt die Chance kurz etwas die Flügel zu trocknen.

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Ich habe mich diesmal als Einhandsegler in einer Lücke zwischen Starkwindtagen am 2.8. auf den Weg von Fehmarn nach Norden gemacht. Da die Lücke nur klein ist und am nächsten Tag, der 3.8., wieder bis auf unbestimmte Zeit Starkwind, mit Regen bei um die 16°C vorhergesagt ist, nutze ich das schöne Wetter. Ich will Kurs Nord, entweder Spodsbjerg auf Langeland oder wenn ich durchhalte bis Omö.

Ich lege um 8 Uhr morgends ab, das heißt 6 Uhr 15 aufstehen.

Es ist anfangs bewölkt und kalt. Ich bin froh das ich meine Wintermütze von den Winterarbeiten noch in einer Kiste finde, ziehe Regehose, Pulli, Regenjacke, Rettungsweste und Wollmütze an. Es ist  der 1. August. Alles normal in diesem Jahr. Ich motore mit gesetztem Großsegel noch zugig durch das Fehmarnsund-Fahrwasser unter der Brücke durch, ziehe die Genua raus und kann mit Anlieger Flügge Sand passieren, Steuerbord abbiegen in Richtung Großer Belt. Es ist wenig Verkehr im Belt und ich komme gut voran. Bis zum Eingang des Großen Belts. Da fällt die Geschwindigkeit über Grund auf 3knoten ab. Ich rechne nach. So komme ich nicht mehr bei Tageslich in Omö an, für welches ich mich mittlerweile entschieden habe. Also schalte ich den Motor an und dreh auf. Mühsam erreicht die Atacama 5 Knoten, meistens bleibe ich bei um die 4Knoten, obowhl ich die Wellen runtersurfe. Es scheint viel Strom mir entgegen zu kommen. Wieder habe ich vergessen das zu überprüfen. Es ist südlicher Wind und Strom aus Nord, das ist eher ungewöhnlich und es überrascht mich. Nun muß ich da druch, aber Sorgen mache ich mir schon etwas. Ich habe gerade erst die Kühlwasserpumpe des Motors ausgetauscht, da der Diesel bei Vollast zu heiß wurde. Nun kommt wieder deutlich mehr Kühlwasser durch den Kreislauf, aber lag es nur an der 6 Jahre alten Pumpe? Zur Not Fall ich ab und such mir ein Hafen auf Lolland. Aber es geht alles gut. Seid dem ich Flügge-Sand passiert habe, ist es auch schönes Wetter auf dem Belt. Über Fehmarn sehe ich tief-graue Wolkentürme sich aufbauen und auch die Kieler-Bucht scheint im Regen zu stehen. Nur im Norden ist es Blau. Da will ich hin.

So verläuft der lange Tag mit einer langen Wache und nach 13h erreiche ich Omö.

Um 21:00h mache ich in dem kleinen Hafen auf der niedlichen Insel fest. Ich habe unterwegs gekocht und auch schon zu Abendbrot gegessen und somit kann ich den Tag auch gleich beenden. Hier ein paar Impressionen von dem Sonnenuntergang:

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Wie angekündigt beherrscht am nächsten Tag Starkwind und Regen den Großen Belt. Ich stehe um 8 Uhr früh auf, um noch die 2 trockenen Stunden am Morgen für einen kurzen Spaziergang nutzen zu können. Es ist ruhig im Hafen, ein Fischer bring gerade seinen Fang an Land und ich staune über die großen Dorsche in den Körben.

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Ich gehe nochmal etwas am Strand entlang und spiele mit meiner Kamera.

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Den Rest des Tages verbringe ich mit der Fertigstellung unseres Jordanien Reisebeitrags und warte – versuche halbwegs trocken zu bleiben. Die Boote die in den Hafen kommen, habe eigentlich alle Mühe mit dem starken, quer zu den Boxen wehendem Wind und hier und dort hört man es laut scheppern. Auch mir treibt ein Boot auf das Heck. Zum Glück habe ich den massiven Windpiloten dort, so bleibt es bei einem lauten Rummsen. Wie der Rumpf des anderen Bootes aussieht, kann ich nicht sage, denn ich war unter Deck als es den Ruck gab.

Mal sehen wie morgen das Wetter wird. Ich stehe um 5 Uhr morgens auf und checke das Wetter. Hey es Regnet nicht. Aber es weht mit 5 Bf auf dem Großen Belt und es soll zum Mittag hin, laut dem Dänischen Wetterdienst noch zunehmen. Also beschließe ich wieder ins Bett zu gehen, schließlich bin ich zum Urlaub machen da und habe so dann die Chance die Insel trocken zu erkunden. Was ich dann auch dann nach einem Frühstück um 9 Uhr mache. Unterwegs spiele ich wieder mit meiner Kamera und teste unterschiedliche Filter und Belichtungszeiten, was sonst…

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Am nächsten Tag weht es noch mit 5 Bf aus West und ich mache mich auf den Weg nach Ballen auf der Insel Samsö. Es geht unter der großen Belt Brücke durch ca. 48 sm nach Norden. Ich bin zügig unterwegs. Anfangs ist es bewölkt und es regnet leicht, gegen Nachmittag klar es auf und die Sonne kommt durch. Es sind um die 15°C und Schauer ziehen durch. So ganz typisch August ist das nicht, aber ok.

Am späten Nachmittag verläßt mich der Wind und ich schmeiße den Motor an. Aber nur kurz, denn nach der kurzen Pause wo, ich die Regenhose hochkrempeln konnte und die schwere Segeljacke weglegt, ziehen Schauer durch und es frisch auf. Bis Ballen weht es wieder mit um die 6Bf und Schaumkronen zieren die größer werdende Dünung. Es wird die letzten 2h nach Ballen noch mal sportlich.

Nach 9h Segeln komme ich erschöpft gegen 18h in den schon recht vollen Hafen von Ballen.

Ich mache meine Leinen klar und schaue mich nach einem Plätzchen um, wo ich die Atacama fest machen kann. Die Sonne schein und der Hafen liegt im Windschatten der Insel. Die raue See und das Heulen des Windes im Rig sind schnell vergessen, im Hafen scheint es Sommer zu sein. Ein Mann ruft mir zu und signalisiert mir, daß ich weiter ins Hafenbecken innere kommen soll und mich entweder rechts oder links festmachen soll. Ok, dann mach ich das mal, es muß wohl der Hafenmeister sein. Ich tucker langsam in das hintereste Becken des Hafen und mache hinter einem alten Fischerboot in dem alten Hafen an der Kaimauer fest.

Ich habe mich mit der Crew der JONA in Ballen treffen wollen und tatsächlich habe ich die GibSea 10.5 schon beim Einlaufen entdeckt. Fritz und Mathis haben mich wohl auch gesehen und empfangen mich an der Hafenmauer und nehmen meine Leine entgegen. Als Einhandsegler ist mann da doch dankbar für die Hilfe. Ich bin froh nach dem doch recht wechselhaften Törn, wo ich immer wieder Segel ein- und ausreffen mußte, mich mal zurücklehnen zu können und genieße ein Bier im Cockcpit. Für die nächsten Tage ist 6-7Bf angesagt und es sieht aus, als hätte ich Gelegenheit etwas Zeit mit der Crew der JONA zu verbringen.

Tatsächlich verbringe ich 4 Tage mit der Crew der Jona auf Samsö. Wir fangen Krebse, versuchen zu angeln, gehen joggen, machen Ausflüge ins Innere der Insel und tun so als wäre Sommer. Gut so schlecht ist das Wetter nicht. Es scheint meist die Sonne und es Regnet wenig, ansonsten sind es zwischen 13 und 18°C und um die 6 Windstärken.

Hier ein paar Impressionen von der Zeit. Die Hafeneinfahrt von Ballen:IMG_9581

Die ATACAMA im hintersten Winkel des Hafens, im alten Hafenbecken…

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Der Ausblick aus der Plicht…IMG_9575

Hier noch mal eine Weitwinkelaufnahme des alten Hafenbeckens…IMG_9589

…und der „neue“ Hafenteil…IMG_9590

…eine Aufnahme dich ich mit der GoPro bei der Krebsjagd aufgenommen habe…DCIM100GOPROG0243412.

Nordby Sogn Dorfzentrum…

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…und so die typische Hügellandschaft von Nord-Samsö…img_9632img_9643

Das Wetter, bzw. der Wind bleibt bei West 5-7Bf. Eigentlich wollte ich zusammen mit der JONA den kleinen Belt nach Süden zurück, doch das macht bei den Bedingungen keinen Spaß. So beschließen wir den Großen Belt zurück zusegeln. Die erhoffte Lücke zwischen den Sturm- und Starkwind Tagen läßt auf sich warten und ewig können wir auch nicht in Ballen bleiben. Also beschließen wir zusammen am Dienstag uns auf den Weg zu machen. Am Dienstag sagt die Windvorhersage nicht durchgehen 7Bf vorraus, sondern „nur“ um die 6 Bf. Wir machen uns recht früh auf den Weg. Die Sonne scheint und in der Abdeckung der Insel macht es die ersten 1,5h richtig Spaß mit maximaler Geschwindigkeit auf Halbwindkurz nach Süden zu rauschen. Der Wind wind nimmt zu, ich turne wiederholt auf dem Vorschiff rum und reduziere Stück-für-Stück die Segelfläche. Als ich dann die Südspitze von Samsö erreiche ist die JONA, die mit mir ausgelaufen ist, schon weit leewärts etwas vorraus und der Wind heult im Rig. Ich habe jetzt alle Lüfter der ATACAMA geschlossen, die Steckschotts zum Salon gesteckt und das Schiebeluck dicht gezogen. Verschlußzustand. Ich selber bin über zwei Saftey-Belts angeleint. Solange mir nicht der Mast auf den Kopf fällt, kann eigentlich nicht viel passieren. Hinter der Abdeckung der Insel nehmen die Wellen zu und brechen teilweise über die ATACAMA und laufen wie eine sich über das Sprayhood ausgeschüttete Badewanne zu mir ins Cockpit. Im Cockpit fahre ich das Großsegel aus der Hand und versuche durch Aussteuern der Wellen diesen ihre Wucht zu nehmen. Der Windpilot, der sonst immer brav den Kurs hält, kann bei dem Wind nicht mehr richtig arbeiten. Zu viel Druck ist in dem Segel, was ich eigentlich auf Handtuchgröße reduziert habe. Dennoch geht es mit 6-8Knoten nach Süden. Ich werde im Wellentakt geduscht und habe mächtig zu tun. Die mittlere Wellenhöhe ist hier etwa 1,5mm. Das klingt nicht viel, ist eigentlich auch nicht viel, aber bei dem Kurz und der Frequenz sind die Wellen extrem steil und es ist eben nur der Durchschnitt. Die 3 Schwester kommen da schon mal mit 2,5m oder mehr angerollt und ich muß schon mal Schlucken,  wenn die ATACAMA in diese Wellen reinbricht. Es knallt, tost, ich gehe hinter der Sprayhood in Deckung, warte bis die grüne See abgelaufen ist, suche wieder Kurs, checke Segel und schaue nach der nächsten Welle. Ich habe 2 Hosen, Surfershirt, Pulli, Regenjacke, Rettungsweste, Handschuhe und Wollmütze unter der Kaputze an und bin froh die meiste Zeit in der Deckung des Sprayhoods bleiben zu können. Aber es ist sind körperlich und geistig 2 sehr anstrengende Stunden, bis die ATACAMA wieder in der Abeckung der nächsten Insel ist und ich wieder dem Windpiloten das Steuern überlassen kann, da die Wellen nicht mehr so hoch und steil sind. Der Wind bleibt hart und ich muß weiter das Groß aus der Hand fahren, um den Böen ihre Wucht zu nehmen. Weiter 5h und ich erreiche die Große Belt Brücke. Unterwegs spreche ich mit über Funk mit der JONA ab und wir entscheiden uns für Nyborg auf Fyn als nächste Station.

Gerade bin ich unter der Belt Brück durch und bin nur noch eine Stunde vom Hafen entfernt, wird es nochmal richtig doofes Segeln. Es pfeift mit 6-7Bf von vorne. Die Wellen sind extrem Kurz und die Strömung stört. Ich hole die Segeln soweit rein und versuche die letzten 4sm mit Motor gegenan in die Bucht zu kommen. Wie befürchtet wird daraus nichts. Die 13PS reichen einfach nicht aus, um gegen den Wind und die Wellen, mehr als 2 Knoten rauszuholen. Das würde mich demnach noch über 2h kosten und wer weiß ob der Motor diese Tortur durchält. Ich hole die Segel wieder raus und kreuze mühsam noch 1,5h die Buch auf bis ich endlich in Nyborg im Hafen bin. Nach 7h und 38sm bin ich endlich im Hafen. Die JONA ist naturgemäß vor mir im Hafen angekommen und so nimmt im Hafen mir Fritz schon die Leinen entgegen. Kaum habe ich festgemacht, werde ich auch schon auf der JONA zum Dinner eingeladen.

Auf dem Zeitraffervideo sieht das alles recht harmlos aus, aber es waren anstrengende, naße Stunden… 😉

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus nach Schloß Egeskov und verbringen einen lustigen Tag in dem Musum/Spielplatz/Ausstellung.

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Am Abend hole ich Johanna vom Bahnhof in Nyborg ab. Endlich ist die Crew der ATACAMA wieder vereint.

Von Nyborg segeln wir am nächste Tag weiter nach Süden. Weit kommen wir nicht, da wir kurze Welle und 5-6Bf von vorne haben, also folgen wir der JONA nach Augustenborg, etwas südlich von Nyborg. Dort verbringen wir einen schönen Nachmittag in dem gemütlichen Hafen, gehen etwas spazieren und Eis essen.

Am nächsten machen wir uns früh auf den Weg weiter Richtung Marstal, wo wir am Nachmittag ankommen. Es ist grau, Regnet vereinzelt und mäßige bis frische Winde aus West. In Marstal verbringen wir noch einen ganzen Tag zusammen mit der Crew der JONA. Das Wetter ist freundlicher und wir genießen einen Anflug von Sommer.

Am nächsten Tag verabschieden wir uns von den JONAS und Segeln die 37sm zurück in unseren Heimathafen. Es weht mit 5Bf aus West und wir kommen zügig voran. Kurz vor dem Fehmarnsund wird es nochmal ungemütlich und wir müssen noch eine halbe Stunde heftige Schauerböen abreiten. Erschöpft kommen wir im Hafen von Burgstaaken an und packen unsere Sachen zusammen. Am nächsten Tag müssen wir wieder in Hamburg sein und arbeiten. Der Urlaub ist leider schon wieder vorbei. Die ATACAMA hat mal wieder gezeigt, daß sie  gut einstecken kann und auch mal wieder etwas längere Abschnitte brav durchhält.

Der Sommer kommt dann doch noch dieses Jahr, allerdings erst im September…

 

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