Hajstorp, Göta Kanal, SWE

Wir lagen in Forsvik nahe an der Schleuse und als wir am nächsten Morgen startklar waren, kam zufällig gerade die Fähre Wilhelm Tham. Fähren und andere gewerbliche Boote hatten Vorfahrt. Eine Fähre in den Schleusen ist immer ein Event. Die Tham ist die größte, sie passt gerade so in die Schleuse (meist 7 x 30 Meter) rein. Auf dem geschlängelten schmalen Kanalweg zur Schleuse stieß sie wie eine Bowlingkugel gegen die Abgrenzung rechts und links. Oben an der Schleuse standen ein Dutzend Männer mit Flaggen und begrüßte die Fähre mit traditionellem Gesang. Laut Schleusenwart kommen sie jedesmal freiwillig vorbei, um die Tham mit Gesang zu empfangen. Einfach aus Spaß und der Tradition heraus.

Dann war sie durch und wir waren dran. Der Chor ist für uns leider nicht geblieben. Nach der Schleuse kam eine Strecke mit viele Engstellen. Wir mussten Schallsignale geben, um anzukündigen, dass wir kamen. Jan blies vor jeder Kurve kräftig dreimal ins Horn. Im Sommer ist das bestimmt wichtig, aber jetzt trafen wir kein einziges größeres Boot. Die Strecke war trotz bewölktem Himmel sehr schön. Wir hatten den höchsten Punkt erreicht und es fühlte sich tatsächlich an, wie in den Bergen. Kleine ruhige See umgeben von dunkelgrünen Wäldern. Es fehlte nur der Elch, der zwischenden Bäumen hindurch lugte.

Kurz hinter einer Brücke lag ein kleines schwedisches Motorboot vor Anker. Als wir vorbei fuhren rief uns ein Jugendlicher auf deutsch zu, ob wir sie nicht abschleppen könnten, da ihr Motor kaputt sei. Wir fuhren zurück. Sie lagen etwas außerhalb des Fahrwassers. Da unser Echolot mal wieder spinnte, waren wir skeptisch. Die Familie meinte zwar, es sei tief genug, doch sie wirkten eher unerfahren. Wir warfen ihnen eine Leine zu und zogen sie zum Anleger der Brücke. Da der Raum begrenzt war und sie nicht steuern konnten, war es schwierig. Doch Jan setzte sie kompetent direkt am Steg ab. Nun haben wir auch mal ein Boot abgeschleppt, besser als anders rum.

An dem Tag zog ein Tiefdruckgebiet über uns hinweg. Immer wieder erwischten uns starke Regenschauern. Doch immerhin erreichten uns die Gewitter- und Sturmwolken nicht. Zwischendurch kam dann auch immer mal wieder die Sonne durch.

Außerdem ließen wir uns an diesem Tag das erste mal abwärts schleusen. Es war wesentlich entspannter. Wir fuhren zusammen in die Schleuse ein und stiegen dann von Bord, um die Leinen durch die Ringe zu ziehen. Dann stiegen wir wieder an Bord und gaben beim Sinken Leine.

Als wir durch eine Stadt fuhren, trafen wir Lina. Sie kreuzte unseren Weg, die kleinste Fähre Schwedens. Oder sogar Europas. Oder der Welt. Sie war wirklich süß und sie ist HSV Fan, ganz eindeutig. Der Fährenwart ließ hastig das Kabel tiefer ins Wasser, als er uns anfahren sah.

Wir übernachteten an diesem Tag an der Kaimauer in Hajstorp. Es ist ein kleiner ruhiger Ort in schöner Natur. Der Regen ließ nach und es erschien ein schöner Regenbogen. Auch später am Abend zeigte der Himmel sich in einer Schönheit, die den ganzen Tag nicht zu sehen war. Wir waren das einzige Boot im Hafen. Es war ein stiller Abend zwischen Bäumen und Wiesen.

Die Wilhelm Tham läuft in die Schleusenkammer…

IMG_4611

…wie eine Billardkugel mit Bandenspiel.

IMG_4618

Einmal in der Schleusenkammer ist nicht mehr viel Spiel für Bewegung, also sorgt ein Freiwilligen-Chor für Schwung.

IMG_4625

Die heutige Etappe hat die engsten Stellen der ganzen Reise und manchmal fordert es Überwindung den Schildern zu trauen…

IMG_4644

… und Rechts und links sind gerade noch etwa 2 m Platz, aber es geht weiter…

IMG_4723

…nachdem vor der Einfahrt in die Engen durch Schallsignale vorgewarnt wird…

IMG_4676

…und auch das Rig nicht viel Spielraum von den Bäumen hat…

IMG_4659

…hoffen wir darauf, daß uns nichts größeres als das entgegen kommt.

IMG_4708

Die Strecke bleibt trotz des ungemütlichem Wetters interessant…

DCIM100MEDIA

…und wechselt zwischen Seen und Kanalstrecken hin und her…

IMG_4744

…und wir erklären für uns diesen Abschnitt als den Schönsten des Kanals…

IMG_4691

…auch wenn uns nicht alle zustimmen werden. Diesen Wassersportlern mußten wir Schlepphilfe geben.

DCIM100MEDIA

…bevor wir dann unsere erste Abwärtschleusung selbst durchführten…

DCIM100MEDIA

… und die kleinste Kabelfähre Schwedens (Europas???) passierten…

DCIM100MEDIA

…und schliesslich in Hajstorp festmachten…

IMG_4757

…und die Ruhe und Abgeschiedenheit genossen…

IMG_4779

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s