Motala, Göta Kanal, SWE

Nachdem wir den Hafen von Borensberg verlassen hatten, kamen wir zu dem See Boren. In einer dreistündigen Fahrt überquerten wir diesen und kamen zu der zweiten Schleusentreppe auf unserer Strecke. Unten am Anlieger lagen schon ein holländisches und ein französisches Boot und warteten darauf hochgeschleust zu werden. Das Schleusen-Mädchen kam und wollte uns alle drei zusammen in einer Schleuse hochbringen. Als erstes fuhren die Franzosen mit dem größten Boot rein. Dahinter kamen die Holländer und wir auf der linken Seite. Die Franzosen waren schon von Beginn an aufgeregt und hatten ihr Boot kaum unter Kontrolle. Da wir zu dritt waren dauerte alles entsprechend länger. Jan hatte allerdings Zeit, um zwischendurch alles in Ruhe zu sortieren und ich hatte noch mehr Zeit für die Deutsche Reisegruppe, die neugierig Schleusenrand stand.

Nach der Schleuse folgte eine Brücke, die nur auf Anfrage öffnete. Die Holländer drückten den Knopf und sprachen mit der jungen Frau, die meinte, sie müsse erst erfragen, wann der nächste Zug kommen würde und wann sie uns öffnen könne. Eine halbe Stunde warteten wir an dem Steg, unterhielten uns mit den Holländern und aßen Mittag. Dann schaltete sie die Ampel um und wir fuhren durch. Es folgte noch eine Schleuse, dann waren wir in unserem Ziel angekommen, in Motala.

Der Hafen war schön, umgeben von roten Holzhäusern und alten gelben und orangenen Villen. Wir legten an und tranken unser Anlege-Bierchen. Danach gingen wir etwas durch das nahe Stadtzentrum und die Promenade spazieren. Die Stadt war nicht schön. Alte graue Funktionsbauten um einen Marktplatz. Die Stadt war menschenleer, da die Läden geschlossenen waren, weil es Sonntag war. Nach dem Pflichteil kam dann der Spaßteil. Wir gingen baden. Das Wasser war sehr klar. Wir befanden uns inzwischen ca. 80 Meter über dem Meeresspiegel und das Wasser kam aus dem See, welches Trinkwasser Qualität hat.

Am nächsten Tag blieben wir wegen des Starkwinds benfalls in Motala. Wir schliefen aus und nutzen den Tag zum putzen und Jan reparierte den Autopiloten. Am Abend gingen wir laufen. Sonst machten wir nichts.

Am darauf folgenden Tag wollten wir weiter fahren. Es war mit 5 Windstärken immer noch ziemlich windig und am Himmel kamen dunkle Wolken auf uns zu. Da wir nur 7 Meilen fahren wollten, sind wir trotzdem los gefahren. Als wir aus der Bucht raus segelten, kamen sofort die Sturmböen. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sie uns überhaupt erwischen, geschweige denn so schnell. Die Sturmböen brachten starken Regen mit sich. Wir konnten kaum was sehen, da sich die Luft so mit Wasser gefüllt hatte und mit starker Wucht ins Gesicht prasselte. Die Atacama driftete mehr seitwärts, trotz gerefftem Vor- und Großsegel und wir hatten begrenzten Leeraum. Wir mußten schnell den Motor zur Hilfe starten, um mit gerefftem Großsegel gegen den Wind kreuzen zu können. Aber das Vorsegel mußte ganz eingerollt werden. Als wir das Vorsegel reinholen wollten, hat sich durch das ruckartig hin und her ein Knoten gelöst und eine Leine, unsere Genuashot, peitschte durch die Luft. Das sie sich gelöst hatte, haben wir leider in der Hektik und unten den Bedingungen erst gemerkt, als Jan den Motor anschaltete und dieser beim Einkuppeln immer wieder ausging.

Das Seil hatte sich um den Propeller gewickelt und verhindert nun das Drehen des Propellers. Eines der beliebten Worst- Case Szenerien ist eingetroffen. Wir entschlossen die Sturmböen durch das Fahrwasser abzureiten und zurück in den Hafen zu segeln. Sobald wir in der Abdeckung der Bucht waren, wurde es etwas ruhiger. Der Regen verringerte sich. Wir holten das Großsegel bis auf ein Minimum rein und ließen uns zurück Richtung Hafen schieben. Während der Fahrt wurde ein Plan entwickelt, wie wir ohne Motor sicher und ohne Bruch in den Hafen kommen konnten. Wir entschieden uns dageben in der Bucht zu ankern und dagegen an einen fremden Steg anzulegen, da wir Tiefen und Umstände nicht kannten. Also fuhren wir unter Segel in den Hafen und bremsten, indem wir im Hafen in den Wind fuhren – eine Aufschiesser machen, nennt man das dann. Dieser kam glücklicherweise so, dass wir theoretisch nach einer 180 Grad Wendung direkt in einer Box, einer Parklücke, zum Stehen kommen sollten.

So war es dann auch. Jedenfalls schafften wir es bis zum Fingersteg, dem Grenzsteg der Box. So ganz wollte die Atacama mit dem verbleibenden Schub nicht in die Box und drohte abzudriften. Jan sprang ab und hielt die Atacama an der Vorleine, während ich die Heckleine holte und ebenfalls auf den schmalen Schwimmteg stieg. So zogen wir sie langsam in die Box rein und machten fest.

Fast immer steht ein freundlicher Nachbar im Hafen bereit und hilft beim Anlegen. Heute natürlich nicht. Trotzdem kamen wir sicher in den Hafen, was unseren Nachbar, der etwas später aus seinem Boot kam, sichtlich beeindruckte. Er bot uns seine Tauchausrüstung an, um die Leine vom Propeller zu entfernen. Doch Jan wollte es ohne probieren. Nach einer kurzen Verschnaufpause zog er seinen Neoprenanzug an, kramte Tauchbrille, Schnorchel, Taschenlampe und Messer hervor und sprang ins Wasser. Er musste einige Male auf und ab tauchen, bis er die Leine losgeschnitten hatte. Mit volle Kraft stemmte er sich unter Wasser gegen den Rumpf des Bootes und zog so kräftig er konnte. Er bekam alle Teile raus und berichtete erleichtert, dass alles in Ordnung zu sein schien. Erleichtert und erschöpft aßen wir Mittag und legten uns dann etwas hin. Noch einmal wollten wir nicht raus. Der Himmel sah noch immer gefährlich aus. Am nächsten Tag würden wir dann noch einmal versuchen, den Vättern zu überqueren.

Vor Motala müssen wir nochmal durch eine Schleusentreppe…

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…diesmal zusammen mit zwei anderen Booten…

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…durchgeschwitzt aber zufrieden geht es weiter…

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…nach Motala, Heimat von Schwedens Industrialisierung…

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…und unserem Tagesziel…

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Von dort wollen wir am übernächsten Tag über den Väner See. Das Wetter sieht nicht so prickelnd aus…

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…und wir packen unser Groß gar nicht erst ganz aus. Ein paar Meilen später, mit gerefftem Vorsegel treffen uns dann die Sturmboen…

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Nachdem wir auf die schwedische Art im Hafen angelegt haben, gehe ich runter zur Schraube. Vorsichtshalber warm eingepackt, mit Taucher-Taschenlampe in der Hand und Messer am Bein…

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…und 20 Minuten später, war unser Propeller wieder klar…

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Das Wetter schlägt weiterhin Kapriolen…

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