Ekenäs, FIN

Perfekt währt nicht lange. Am nächsten Morgen sollte uns das klar werden. Als Jan den Anker aus dem Wasser gezogen hatte und das ganze Cockpit voller Anker und Kette und Schlamm war, waren wir eine Sekunde unaufmerksam. Jan war noch mit dem Anker beschäftigt, wahrend ich uns im Schrittempo langsam aus der Bucht steuerte. Der Plotter (Navi) piepte, weil wir den markierten Ankerplatz verließen, der Echolot zeigte 8 m an. Als ich wieder hin schaute, zeigte er plötzlich nur noch 2,5m und dann 1,8 und dann wuuums. Einmal kurz. Und wuuuuuums. Nochmal. Jan reagierte schnell und schaltete den Rückwärtsgang rein. Schock! Obwohl Jan meinte, das die Atacama robust sei, lief ich runter und hob den Teppich an, um unter den Fußbodenplatter zu kontrollieren, ob Wasser eintrat. Die Bilge blieb trocken. Der Schock saß tief.  Wir haben immer wieder gehört, dass Segler auf Grund liefen, doch vorstellen kann man sich das Gefühl erst, wenn man es erlebt. Wir haben in der dänischen Südsee schon einmal eine Sandbank gestriffen, aber Felsen sind eine völlig andere Geschichte. Der Ruck und der Krach waren fies. Bedrückt fuhren wir weiter nach Ekenäs. Dort angekommen tauchte Jan mit Taucherbrille und Taschenlampe bewaffnet runter, um sich den Kiel anzuschauen. Er hatte einen Kratzer, aber sonst keinen Schaden davon getragen. Glück im Unglück. Vielleicht gehört dies auch dazu, wenn man durch die Schären segeln. Wir haben auf jeden Fall aus diesem Erlebnis gelernt.

Der Hafen von Ekenäs war sehr lebendig. Er war voll und laut. Es war Sonntag und der benachbarte Strand war gut besucht. Außerdem fand direkt neben dem Hafen eine Motorradshow statt. Die kleine Stadt ist bekannt für ihre Altstadt und die sehr gut erhaltenen Holzhäuser. Sie war schön, aber wir fanden, dass viele Städte und Holzhäuser in Littauen und Estland mehr Charme ausstrahlen. Der neuer Stadtteil mit der Einkaufsstraße und dem Marktplatz war nicht so schön. Aber an diesem Tag war es auch schwer unsere bedruckte Laune zu verbessern. Wir versuchten es mit Eis essen. Das half.

Abends im Hafen schauten wir Hafenkino. Das Anlegeverhalten der Finnen ist wirklich spannend. Ein relativ großes Boot wollte sich neben uns in eine nichtvohandene Lücke quetschen. Der Seitenwind war relativ stark und sie kamen schnell angefahren. Sie rassten in den Außenborder unseres Nachbarns, der an der Reling verstaut war und stellten fest das sie da wohl doch nicht reinpassen. Der Besitzer des Bootes war nicht da. Die anderen Finnen, die drum herum standen sagten auch nichts. In Finnland scheint sowas normal zu sein. Ich schaute sie böse an und fluchte auf deutsch. Sie verschwanden. Finnen sind auf dem Wasser generell etwas rücksichtsloser unterwegs. Interessant wirds auch wenn man am Nachmittag einen Hafen ansteuert. Dann kommen die Ellenbogen ins Spiel. Je später man kommt, desto mehr sollte man hoffen, vor der Hafeneinfahrt keinen Finnen zu treffen. Auf der Zielgeraden beim Kampf um den letzen Liegeplatz im Hafen können sie noch entschlossener Auftreten. Da wird dann noch man richtig Gas gegeben und notfalls noch in der Hafeneinfahrt überholt. Das mit den Liegeplätze ist in der Tat aber ein Problem. Nach 16 Uhr braucht man Glück noch einen Platz zu bekommen. Ich schätze es sind Sommerferien und zusätzlich befinden sich die Ostseerumsegler in dieser Gegend. In jeden Hafen sind mind. 2 Deutsche, Holländer oder Engländer.

Die Schären vor Ekenäs sind weniger schroff, fast lieblich…
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…der Hafen dagegen laut und unruhig…
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Die Stadt ist bekannt für die best erhaltensten, alten finnischen Holzhäuser. Hier ein paar Impressionen von unserem Spaziergang.
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