Tallinn, EST

Leicht verkatert standen wir wie gewöhnlich auf, als die meisten anderen schon weg waren. Gegen 11 Uhr ging es dann auch bei uns los. Wir konnten fast die ganze Strecke segeln. Auf halben Weg holte uns ein anderes deutsches, größeres Segelboot ein. Als wir den Kurs wechselten und die Segel setzen, folgten sie uns und wir waren auf gleicher Höhe. Obwohl die anderen nicht einmal ihr Großsegel setzten, hatte Jan sein Ehrgeiz gepackt. Er trimmte was das Zeug hält. Zupfte an jeder Leine, öffnete Segel und zog sie wieder fest. Und erarbeitete sich damit einen kleinen Vorsprung. Im Hafen lies der Wind nach. Weder der andere Schiffsführer, noch Jan schalteten den Motor ein. Nachdem ich Brote gemacht hatte und wir gegessen haben, war meine Geduld zuende. Jan ging kurz runter ins Bad und ich nutzte die Chance und schaltete den Motor an. 10 Minuten später fuhren wir in den Hafen ein.

Im Hafen entschieden wir uns spontan gegen den alten Olympiahafen und fuhren in den daneben liegenden Yachtclub Kalev. Kalev war gut. Der Hafenmeister sprach gut englisch und war super freundlich und hilfsbereit. Die Badezimmer waren ok. Alles nicht so neu wie in Lohusalu, aber gut genug. Später besuchten uns die Hamburger, die im Olympiahafen lagen. Der Hafen war mit 12€ deutlich günstiger als unserer, hatte aber keine Duschen und schlechte Toiletten. Wir schauten uns das Gelände auch mal an und es war alles sehr alt und hässlich. Seit 1996 als die Olympiade statt fand, wurde wohl auch nichts mehr gemacht. Es sah aus, wie man sich eine tote Olympiastadt so vorstellt. Viele große alte hässliche Gebäude und ein Hotel. Es gab noch ein paar kleine Läden und Restaurants, aber der größte Teil wirkte verlassen.

Da wir in Tallinn auf ein Paket aus Deutschland mit unseren Segellatten warten mussten, ließen wir die nächsten Tage entspannt angehen. Eigentlich hätte laut Information des Segelmachers, das Paket schon da sein sollen. Da wir mit den neuen Segeln die Latten nicht bekommen haben und es uns auch erst zu spät auffiel, hat der Segelmacher sie nach Tallinn zu dem Kontakt meiner Schwester geschickt.

Wir verbrachten den erste Tag natürlich mit Sightseeing. Wir fuhren mit dem Bus die 6 km in die Stadt und wanderten durch die Altstadt. Am Nachmittag aßen wir völlig überteuerte Schnitzel mit labrigen Pommes in einem Touri-Restaurant auf dem Rathausplatz. Und später waren wir im Museum. Im maritimen Museum natürlich. Abends sind wir noch zum Old City Habour gegangen. Hier wollte die Flensburger-Crew anlegen. Es war der zentralste und neuste Yachthafen. Direkt neben den den zahlreichen Fähr- und Kreutzfahrtanlegern. Aber mit 35 € auch sehr teuer. Sie waren aber nicht da. Auf dem Rückweg gingen wir noch einkaufen. Neben unserem Hafen gab es einen großen Supermarkt. Wir hatten uns vorgenommen uns hier noch einmal gut einzudecken, um im teuren Finnland möglichst wenig kaufen zu müssen.

Am zweiten Tag regnete es. Am Nachmittag, als es weniger wurde, ging ich die nähere Umgebung erkunden und schaute mir die alte Klosterruienen an. Jan blieb im Boot. Am Abend, nach dem zweiten Großeinkauf, schauten wir das Fußballspiel Deutschland-USA in einem kleinen Restaurant im Olympiahafen. Neben uns fanden sich dort noch 5 andere Deutsche ein. Wir aßen leckere Burger und tranken estnisches Bier.

Am dritten Tag verbrachten wir den morgen damit herauszufinden, wo unser Paket bleibt. Wir überprüften den Status online bei DHL und bei der Eesti Post. Weil wir dort keine aktuellen Infos fanden, baten wir den Hafenmeister bei der Eesti Post anzurufen. Sie hatten das Paket noch nicht. Durch einem Anruf bei DHL erfuhren wir, dass das Paket erst Montag ankommen sollte. Es war Freitag. Wir überlegten hin und her, ob wir in Tallinn warten oder weiterfahren und von Helsinki mit der Fähre zurück kommen sollten. Oder die Segellatten zurück schicken lassen oder ganz neue anfertigen lassen sollten. Alle Optionen waren blöd. Wir wussten ja nicht mal ob es tatsächlich Montag ankommen würde und wollten nicht viel Zeit „verschwenden“. Außerdem sollte sich das Wetter ändern und wir hätten eventuell noch länger in Tallinn festgesessen. Nachdem wir mit unserem Kontakt gesprochen hatten und er erzählte dass das Paket auf jeden Fall jetzt in Tallinn sei, aber er auch nicht mehr rausbekommen hatte, entschieden wir uns Samstagmittag abzuwarten und dann mit oder ohne Segellatten weiter nach Helsinki zu fahren.

Am Nachmittag fuhren wir wiederin die Stadt. Die Sonne schien und es war warm. Wir schaunten uns ein neues sehr modernes Stadtviertel an und gingen dann auf anderen Wegen durch die Altstadt. Später liefen wir zum Seaplane Harbour und schauten uns dort die alten Schiffe im Hafen an.

Am nächsten Tag wurden wir von dem Anruf unseres Kontaktes geweckt. Er meinte er würde nun zur Post fahren und fragen, ob er das Paket bekommt. Eine halbe Stunde später rief er erneut an uns sagte, dass er das Paket hat und vor unseren Hafen steht. Ich holte das Paket ab und überreichte ihm eine Flasche Wein und eine Schachtel Schockolade. Er meinte er kannte jemanden bei der Post und hat das Paket deshalb schon bekomme. Eigentlich hätte es erst Montag ausgeliefert werden sollen. Super nett und hilfsbereit!! Wir waren wirklich erleichtert und glücklich, dass es alles doch so einfach ausgangen war. So konnten wir beruhigt los fahren und mussten nicht mit der Fähre zurück kommen.

 

Tallinn wir kommen!

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Und gesellen uns zu den tausenden von Kreuzfahrttouristen in der Altstadt, die man schön von dem Domhügel überblicken kann…

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Die unterschiedlichen Kulturen und Zeitepochen machen die Altstadt recht interessant…

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…auch wenn wir die vielen historischen Details nicht deuten können, lassen wir die Stadt einfach auf uns wirken…

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… und vieles erinnert einfach an einen großen Mittelaltermarkt…

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… die Touri-Fress-Meilen dürfen da natürlich nicht fehlen…

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… und auch wenn es ein paar ruhigere Ecken gibt…

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…die wirklich einladend wirken…

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…es überwiegt der Kommerz…

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Aber die Stadt hat auch andere Facetten. Moderne…

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… etwas weniger moderne…

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… und etwas nostalgische…

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Wir genießen die Tage in Tallinn. So…

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…oder so…

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…und sind wirklich totmüde, wenn wir abends nach dem Einkaufen zu Hause sind…

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Beim Feierabend-Bierchen im Cockpit….

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…gibt es dann noch viel zu sehen. Eine Regatta-Woche und die Mittsommerferien, die den Hafen nicht wirklich zur Ruhe kommen lassen.IMG_1219

 

… man kann trockenen Fusses durch das große Olympiahafenbecken gehen, soviele Junioren aus Finnland, Litauen, Lettland, Russland und natürlich Estland tummeln sich im Hafenbecken. Abends gibt es dann noch eine Vorstellung der neuesten Wassersportart…

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(Reiten auf dem Wasserstrahl eines Jet-Skies, dieser hier macht das nicht zum erstenmal und schlägt Loopings, Saltos etc.)

Hier wieder was für die Kitschquote, der Ausblick nach Mitternacht auf Hafenmole…

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Am Samstag sind endlich die lang erwarteten Segellatten angekommen… Danke hier an Madis!

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Es kann weitergehen!

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