Wladyslawowo, PL

Am nächsten Tag ging es weiter nach Wladyslawowo. Mit Windstärke 5-6 und einem Kurs hart am Wind, war es ein sportlicher Trip. Wir mussten uns die ersten paar Stunden im Cockpit einkeilen. Wir haben uns so sehr mit beiden Beinen gegen die Innenwand des Cockpits gestämmt, dass wir am nächsten Tag einen schönen Muskelkater in Beinen und Po hatten. Da es kaum Wellen gab, wurde ich trotz starker Kränkung (Schieflage des Schiffes) nicht seekrank. In kurzer Hose und Shirt störten uns auch die regelmäßigen Wassergüsse nicht, die über die Reeling brachen. Es war anstrengendes, aber sehr schönes Segeln. Am Nachmittag wurde es etwas ruhiger und entspannter. Ich übernahm die Wache und Jan legte sich unten etwas hin. Gegen 6 Uhr kochte er uns leckere Nudeln. Und um 8 Uhr fuhren wir in den Hafen von Wladyslawowo, der laut Hafenhandbuch „nicht zum längeren Verweilen einlädt“. Das traf es auch sehr gut. Es war ein großer Industrie- und Fischereihafen mit ca 6 Sortbootplätzen. Als wir wie immer anlegen wollten, und ich vorne an Deck bereit mit der Leine stand, passierte das, worauf ich schon lange gewartet habe. Ich wollte den Sprung vom Boot auf den Steg machen und landete im Wasser. Da hatte ich mich wohl um ein paar Zentimeter verschätzt. Ich wunderte mich immer wieder wie dieses Mänover auch in stressigen Situationen immer geklappt hatte. Eigentlich keine große Sache, wenn man im richtigen Moment springt bzw. den Schritt vom Boot auf den Steg abwartet und nicht übereifrig schon Meter vorher abspringt. Am besten noch in dem Moment, wenn Jan den Rückwärtsgang einlegt. Glücklicherweise waren sofort ein deutsches Ehepaar vom Nachbarboot und ein Pole bereit mich aus dem Wasser zu zerren. Außer einem riesigen blauen Fleck am Knie (ich muss wohl den Steg gestriffen haben) ist nichts passiert. Es wäre natürlich cooler gewesen, wenn das in einem sauberen Hafen passiert wäre. Oder wenigstens in einem Hafen, indem es auch nach 8 Uhr noch Duschen gab. Die Klamotten stanken und Katzenwäsche musste reichen. Als ich damit fertig war kam der Hafenmeister zu uns zurück, der wohl Mitleid hatte und meinte ich könne in seiner Fabrik duschen. Aber dazu hatte ich auch keine Lust mehr, außerdem war ich zu sehr damit beschäftigt den Schrecken mit Wein runterzuspülen. Aber man muss wirklich sagen, dass die polnischen Hafenmeister sehr hilfsbereit sind. Die Häfen sind meist schlecht ausgestattet, aber die Menschen sind sehr bemüht und nett. Jan duscht in Badehose unter dem Gartenschlauch auf dem Steg und sorgt für Belustigung unter den auf der Kaimauer flanierenden Polen. Das Kaltduschen ist er ja nun aus den letzten 3 Tagen gewöhnt, nur das YouTube alles speichert nicht.

Der Hafen von Wladyslawowo läd wirklich nicht zum Verweilen ein, auch wenn dieses Bild es nicht so wirken läßt…
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Ein Gedanke zu „Wladyslawowo, PL“

  1. Das ist ja mal ein tolles langes Lebenszeichen von Euch. Herzlichen Dank! Danzig habe ich schon mit dem Rad erobert. Superschöne Stadt, und dann bin ich über die Riesenwanderdünen von Leba zur Ostsee ge-
    wandert, um zu baden. War toll! Ihr müßt auch zur Marienburg!Liebe Grüße von Ingrid

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